Einführung

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen angeborenem und erlerntem Verhalten. Je höher eine Tierart entwickelt ist, desto größer ist der Anteil des Erlernten. Papageien haben im Vergleich zur Körpermasse die größte Hirnmasse unter den Vögeln. Sie verfügen über ein enormes Lernvermögen und können sich unerwarteten Situationen anpassen. Nymphensittiche reichen sicherlich nicht an Graupapageien, Aras oder Amazonen heran, im Vogelreich zählen sie dennoch mit zu den Klügsten. Mit Hilfe des Clickertrainings lässt sich zum Beispiel nachweisen, dass Nymphensittiche einen gesprochenen Befehl mit einer Handlung verknüpfen können.

Nymphensittiche zeigen äußerst vielschichtige Verhaltensweisen, die teilweise überraschend menschliche Züge aufweisen. Man sollte jedoch nicht dazu neigen das tierische Verhalten mit menschlichen Maßstäben zu betrachten. Als Hobbyhalter überträgt man gern menschliche Gefühlsäußerungen auf das Verhalten der Lieblinge. Dies stellt grundsätzlich natürlich kein Problem dar. Sind die Tiere allerdings krank, oder treten ungewöhnliche Verhaltensweisen auf ist eine objektive Bewertung der Situation aus verhaltensbiologischer Sicht sinnvoller.

So wird ein kranker Nymphensittich zum Beispiel nicht jammern, da ein schwaches Tier, den Schwarm gefährden würde. Zeigt ein Vogel also erste Krankheitssymptome, sind diese ernst zu nehmen. Diese Tatsache führt wieder einmal eindrucksvoll vor Augen, wie schwarmabhängig Nymphensittiche sind (und im Übrigen auch fast alle anderen Vogelarten!). Häufigster Grund für Verhaltensstörungen ist die praktizierte Einzelhaltung, doch dazu an anderer Stelle mehr.

Im Folgenden soll das arttypische Verhalten der Nymphensittiche beleuchtet werden. Man kann das Verhalten in verschiedene Funktionskreise unterteilen, zum Beispiel:

Da diese Verhaltenstypen fließend ineinander übergehen, soll hier auf eine strenge Unterteilung verzichtet werden.