(sexuelle) Fehlprägungen

Fehlprägungen äußern sich in den verschiedensten Formen. Am bekanntesten ist wohl die Prägung auf das eigene Spiegelbild und auf einen Menschen. Aber auch Spielzeuge, Glocken, Tücher und sogar Socken fungieren manchmal als Partnerersatz.

In all diesen Fällen wählt der Vogel sich ein Ersatzobjekt um das natürliche Balzverhalten auszuleben. Nicht selten ist der Mensch der Ersatzpartner, was bis hin zur Masturbation auf Kopf oder Hand des Halters führen kann. Auch bei Hähnchenüberschuss im Schwarm kann es zu solchen Kopulationen mit Ersatzobjekten kommen.

Hennen in Einzelhaltung (oder auch gleichgeschlechtlicher Haltung) leiden ebenfalls stark unter dem Partnermangel. Neben Schreien und Rupfen zeigen auch Hennen sexuelle Verhaltensstörungen. Dazu gehört die Selbstbefriedigung in Futternäpfen, unter Ästen und auch das chronische Eierlegen bis zur völligen Erschöpfung.

Eine Sonderstellung nehmen Jungvögel ein. Sowohl die Hähne, als auch die Hennen befriedigen sich teilweise selber. Dies liegt vor allem daran, dass die Vögel noch nicht als gleichwertige Sexualpartner angesehen werden und im Schwarm keinen Partner finden. Mit der eintretenden Geschlechtsreife und Verpaarung geht die Häufigkeit der Selbstbefriedigung in solchen Fällen rasch zurück.

Nicht immer kann man Vögel erfolgreich resozialisieren. Und auch ungewöhnliche Paare sind möglich. Bleiben die ungleichen Partner trotz anderer Gesellschaft miteinander liiert, ist eine Trennung abwegig. Wenn die Vögel miteinander glücklich sind, braucht man sich auch als Mensch keine Sorgen machen. Die beiden Hähne auf dem Bild sind 24 und 18 Jahre alt. Eine zwanghafte Verpaarung mit Hennen würde kaum Erfolg bringen, die Gesellschaft des anderen Hahns scheint ihnen jedoch schon sehr gut zu tun.

Fallbeispiele: