Jabo

Jasmin hat bis vor einigen Wochen eine Nymphenhenne einzeln gehalten. Sie hat uns aufgeschrieben, wie sich ihre Meinung zur Einzelhaltung geändert hat.

Jabo habe ich von einem Züchter geholt. Sie war von Anfang an sehr zutraulich und hat sich sofort problemlos mit meinen beiden Wellensittichen verstanden. Eigentlich war mir schon lange bewusst, dass man Sittiche, Papageien etc. NIEMALS allein halten sollte. Dummerweise habe ich mir aber eingeredet, Jabo ist ja nicht allein, sie hat ja noch die Wellis und außerdem habe ich mich ja beinahe Tag und Nacht um sie gekümmert. Zwar hat sie keine Anzeichen von Unglücklichsein gezeigt - aber sie hat sich doch sehr schnell auf mich eingeschossen und hat mich als ihren "Partner" angesehen. Allein das ist ja nicht normal. Sie ist überall mit hingekommen und hat jede freie Minute mit mir verbracht. Wir haben zusammen gefrühstückt, fernsehgesehen, Wohnung aufgeräumt etc. Solange ich bei meinen Eltern wohnte, war sie es gewohnt, dass da auch noch andere "Federlose" sind. Dann bin ich aber irgendwann ausgezogen und wohnte allein... und Jabo fing an jeden Besuch zu attackieren, sobald dieser mir zu nah kam. Zuerst musste ich darüber lachen - aber dann wurde mir sehr schnell klar, dass sie eigentlich "verhaltensgestört" ist. Sie sah mich eindeutig als ihren Partner an. Das ging soweit, dass sie sogar über mich wachte, wenn ich krank war. Dann saß sie wie eine Glucke auf meiner Brust und fauchte jeden an, der mir zu nah kam. Eigentlich sehr rührend, aber andererseits auch sehr traurig.

JaboSie war so sehr auf mich fixiert, dass sie anfing jedesmal herzerweichend nach mir zu rufen, wenn ich morgens zur Arbeit ging. Und sobald sie meine Schritte im Treppenhaus hörte, wenn ich wiederkam, hat sie mich schon von oben lautstark begrüßt. Ihr verzweifeltes Geschrei hat mir jedesmal das Herz gebrochen und ich habe angefangen mir Gedanken zu machen, ob es nicht besser wäre, ihr einen Partner dazuzuholen (da war sie bereits ein Jahr bei mir). Dazu sollte ich wohl noch erwähnen, dass mein Verlobter nicht gerade begeistert von der Idee war, noch mehr Vögel um sich zu haben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich zwei Ziegensittiche, zwei Wellensittiche und Jabo... Ich beschloss also schweren Herzens, meine Ziegen wegzugeben. Ich hatte ohnehin gemerkt, dass diese lustigen Gesellen besser in einer großen Freiflugvoliere aufgehoben sind, als in der Wohnung. Glücklicherweise habe ich schnell einen Vogelfreund gefunden, der eine große Voliere und bereits ein Ziegenpärchen hatte und meine beiden bei sich áufnahm. Somit fing ich an, im Internet nach Nymphenhähnen zu stöbern. Anfangs hatte ich ziemlich Angst, dass Jabo niemanden akzeptieren würde, da ich mittlerweile glaubte, dass sie sich für einen Mensch hielt... Aber ich schob alle Zweifel beiseite und fand nach langer Suche die Anzeige von einem Nymphenhahn, der dringend in Gesellschaft vermittelt werden sollte, möglichst zu einer Henne. Ich rief also kurzerhand dort an und ließ mir seine Geschichte schildern. Es stellte sich heraus, dass der Kleine etwa in Jabos Alter (1,5 Jahre) war und mit einem Graupapagei (!) zusammenlebte. Da er aber mit dieser Situation nicht klarkam, hatte er angefangen, sich fleißig die Federn herauszurupfen. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer: zwei Verhaltensgestörte, das musste einfach passen! Ich habe ihn noch am gleichen Tag abgeholt.

JaboAnfangs gefiel Jabo die neue Situation gar nicht. Sie fauchte und drohte und flog panisch davon, wenn ich sie in die Nähe von Alis Käfig hielt (so haben wir den Kleinen Macho genannt). Aber schon nach zwei Tagen legte sich das und Ali zog mit zu ihr und den Wellis in die Voliere. Sie sind zwar absolut kein Liebespaar und es gibt öfter "Ehekrach", aber jetzt ist da ein Artgenosse und das allein ändert sehr viel. Jabo schreit längst nicht mehr soviel nach mir - sie ist zwar nach wie vor sehr anhänglich, aber dennoch beschäftigt sie sich auch mit Ali. Der ist zwar auch mittlerweile sehr auf mich fixiert, aber zumindest unternehmen die beiden viel zusammen und konzentrieren sich nicht ausschließlich auf mich. Sie sind nunmal beide zahm und vielleicht sollte ich es ja in dem Fall als Ehre und nicht als Verhaltensstörung ansehen, dass sie mich in ihren Schwarm "integrieren" wollen. Ich der "Nymphmensch".

JaboJetzt, wo ich sehe, wie die beiden miteinander umgehen bzw. dass sie alles zusammen machen (es gibt nach wie vor viel Streiterei) merke ich erst recht, wie wichtig es ist, dass da ein Artgenosse ist. Nymphensittiche sind so gesellige und soziale Tiere, niemals dürfen diese wunderbaren Minikakadus alleingehalten werden. Jabo hat mich regelrecht mit ihrer Liebe überschüttet - eine Liebe, die nicht mir, sondern einem Artgenossen zusteht!!! Und ich war einfach nur die "Notlösung" weil da vorher kein Artgenosse war... Es wird noch ein langwieriger Prozess sein, bis sie sich von mir abwendet und erkennt, dass Ali viel besser zu ihr passt als ich - aber sie ist noch sehr jung und wir haben noch viel Zeit!!! Früher oder später wird sie es erkennen und dann geht alles seinen natürlichen Lauf der Dinge...

El Zahid