Keimfutter

Autoren: Jana Rückschloss und Jutta Richter

Keimfutter ist eine willkommene Abwechslung und gerade im Winter ein wichtiger Vitaminlieferant. In der Herstellung sollten Sie jedoch streng auf Hygiene achten, da sich auch unerwünschte Keime schnell entwickeln.

Eine gesunde Erweiterung des Speiseplans

Warum ist Keimfutter so gesund? Manche Inhaltsstoffe können aus den harten und trockenen Saaten von den Vögeln nur schwer aufgeschlossen werden. Manche Saaten, wie z.B. Weizen, werden wegen ihrer Größe und Härte roh oft gar nicht gefressen. Durch die Feuchtigkeit und den Sauerstoff beginnt der Samen mit einer Umwandlung seiner Inhaltsstoffe. In der Keimphase werden manche Vitalstoffe aufgespalten und andere neu gebildet. So werden aus Proteinen wichtige Aminosäuren, aus Fetten essentielle Fettsäuren. Auch schädliche Säuren und Gifte, die zum Schutz der Samen dienen, werden abgebaut. So weisen trockene Leguminosen kaum Vitamin C auf. Nach einer Keimdauer von 48 Stunden enthalten sie jedoch 10 -12mg/100g [Künne, Nöcker]. Bei Weizen verdoppelt sich innerhalb von 24 Stunden der Gehalt an Vitamin B1, B2 und B12. Der Karotingehalt steigt sogar um 190% und der von Vitamin E um 116% [Vollwert]. Sogar der Gehalt an Mineralien und Spurenelementen steigt durch das Keimen. So weisen gekeimte Mungbohnen eine Erhöhung des Kaliumgehaltes um 80%, des Calciumgehaltes um 34% und des Phorsphogehalts um 56% gegenüber den trockenen Mungbohnen auf. Keimfutter ist leichter verdaulich und kann im Magen leichter aufgeschlossen werden. [Künne]

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Emma (wildfarbene Henne) und Tütü (wildfarbener Kopffleckscheckenhahn) können es nicht abwarten und bedienen sich selber am Keimfutter, das in der Küche auf der Spüle steht.

Geeignete Saaten

Im Handel werden fertige Mischungen angeboten, man kann aber auch selber ein qualitativ hochwertiges Futter zusammenstellen. In der unten stehenden Tabelle finden sie geeignete Saaten. Achten sie beim Kauf darauf, dass die Saaten staubfrei und frisch sind. Keimunfähige Körner bergen die Gefahr zu schimmeln und werden so zum Gesundheitsrisiko. Deshalb dürfen auch keine gebrochenen Saaten enthalten sein. Neben Beeren, getrockneten Gemüsestücken, Grassaaten und Kräutern verdirbt auch Leinsaat das Keimfutter. Leinsaat schleimt in Wasser aus. Dies führt dazu, dass das gesamte Futter verklebt, die Sauerstoffzufuhr zu anderen Körnern gehemmt wird. Das Futter wird schnell sauer und zudem von den Tieren ungern gefressen. Ganze Hirsekolben und Rispen eigenen sich ebenfalls nicht zur Keimung. Der holzige Strunk und die Verästelungen zu den Körnern können schneller verderben, als die Körner keimen.

Herstellung

In der Herstellung sollten Sie streng auf Hygiene achten, da sich auch unerwünschte Keime schnell entwickeln. Zum Keimen werden die Saaten 6-12 Stunden in Wasser eingeweicht. Nach dieser Zeit handelt es sich um Quellfutter, welches ebenfalls verfüttert werden kann. Die Einweichzeit richtet sich nach der Größe der zu keimenden Saaten. Exotenkeimfutter zum Beispiel besteht hauptsächlich aus kleinen Hirsen, welche nur 6 Stunden eingeweicht werden müssen. Sind Erbsen, Bohnen oder andere Hülsenfrüchte enthalten, sind 12 Stunden sinnvoller. Nachdem die Mischung gewässert wurde, sollte sie in ein Sieb gegeben und gut mit kaltem bis handwarmen Wasser gründlich durchgespült werden. Jetzt die Masse gut abtropfen und in eine leere Schüssel einhängen und bei ca. 19 - 21°C eher dunkel stellen. Das Keimfutter sollte zweimal täglich mit kaltem Wasser gründlich gespült werden. Nach 12-24 Stunden sind die ersten Keime zu erkennen. Jetzt kann das Keimfutter direkt verfüttert werden. Metallsiebe sind ungeeignet, da sie in feuchter Umgebung schnell rosten. Man sollte auch öfter kleine Mengen keimen lassen. Wenn die Körner zu dick aufeinander liegen, kann Sauerstoffmangel entstehen. Zudem sollten den Vögeln ohnehin nur kleine Mengen angeboten werden. Keimfutter sollte je nach Samenart nach maximal zwei bis drei Tagen verfüttert werden. In den warmen Sommermonaten tendenziell weniger, denn das Futter wird schnell säuerlich und ist dann ungenießbar. Auch verlieren die Saaten schnell wieder an Vitalstoffen, je größer der Keimling wächst. Manche Pflanzen werden bitter oder entwickeln Giftstoffe. Der Kühlschrank ist für die Keimung ungeeignet, da die Temperatur zu niedrig ist.


Einige Saaten, die für Keimfutter geeignet sind:
Bezeichnung Einweichzeit
Silberhirse
Kleinere Hirsesorten (Manna, Japan, Senegal,...)
Quinoa
Negersaat
Etwa 6 Stunden
Weizen
Nackthafer
Buchweizen
Mungbohnen (Katjang)
Milo
Sorghum
Etwa 8 Stunden
Kardisaat
Sonnenblumen
Etwa 10 Stunden
Leinsaat ist völlig ungeeignet, da es ausschleimt! Auch Mischung mit geringem Leinsaat-Anteil sollten nicht verwendet werden.

Eine beispielhafte Mischung, die meist gut gefressen wird:

Exkurs Brutlust

Züchter nutzen Keimfutter zur Brutvorbereitung, im Umkehrschluss erscheint es plausibel, dass ein Zuviel davon zu ungewollten Hormonschüben führt. Gerade in der Wohnungshaltung sind ungewollte Bruten ein großes Problem, daher soll auch an dieser Stelle darauf eingegangen werden.

Ein Züchter kann durch unterschiedliche Futterzusammensetzung die Brut steuern. Steigt das Futterangebot, beginnt die Brutsaison. Dies zieht aber auch die Konsequenz nach sich, dass nach einer Dürreperiode irgendwann eine Brutperiode kommen muss. Als Privathalter ohne Zuchtgenehmigung stellt sich nun die Frage, ob man überhaupt reichhaltiges Futter anbieten sollte, da es ja zwangsläufig zur Brut führen könnte. Auch Wohnungsvögel erleben naturgemäß eine Brutzeit, in der die Hormonschübe zunehmen. Die Nymphensittiche suchen dann nach dunklen Ecken, legen womöglich sogar Eier. Gehen wir einmal davon aus, dass eine strenge Diät eingehalten wird. In dem Moment, wo man wieder auf reichhaltigere Kost umstellt werden die Vögel umso mehr angespornt sein, da sie genau wie in Australien einen Rhythmus erleben.

Es gibt keine pauschalen Lösungen für ungewollte Eier!
In der Abteilung Brut können Sie sich ausführlicher informieren.

Viele Halter geben regelmäßig Keim-, Kochfutter und Gemüse - trotzdem hat nicht jeder Probleme mit brutigen Hennen. Daraus schließen wir, dass ein gleich bleibender Speiseplan nicht zur Brut animiert, auch wenn er etwas reichhaltiger ist, als die gängige Literatur empfiehlt.

Also lautet die Fütterungsempfehlung einmal pro Monat bis mehrmals pro Woche, jedoch keine Schwankungen im Angebot. Bieten Sie nie soviel Keimfutter an, dass die Nymphensittiche sich davon satt fressen können. Geben sie im Winter mehr Keimfutter und im Sommer mehr Frisches aus der Natur. Die Grundmischung sollte jedoch immer den Hauptteil der täglichen Nahrungsaufnahme ausmachen!

Quellen

Kürzel Vollständiger Titel
[Künne] Künne, Hans-Jürgen, Arndt-Verlag, "Die Ernährung der Papageien und Sittiche", 1. Auflage (2000)
[Nöcker] Nöcker, Rose-Marie, Hyne-Verlag, "Das große Buch der Sprossen und Keime", 1987
[Vollwert] Barsewisch, Gisa von; Schult, Murmel, Naumann & Göbel , "Das grosse Buch der Vollwertküche. essen und trinken", Sonderausgabe (August 2000)